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Wohnungsuche in Paris Eine Wohnung zu einem annehmbaren Preis in Paris zu finden, ist eine recht schwierige Angelegenheit Selbst wenn man etwas gefunden hat, gibt es noch einige Hürden zu meistern: Bei der Anmietung müssen in der Regel eine Monatsmiete und zwei Monatsmieten Kaution hinterlegt werden. Es werden auch die letzten drei Lohnstreifen, sowie eine Bürgschaft einer dritten Person verlangt. Wie auch in Deutschland kann man sich selbst um eine Wohnung bemühen oder dieses einer Agentur übertragen. Bei einer gewerblichen Wohnungsvermittlung wird eine Erfolgsprovision von 10 bis 15% der Jahresmiete, bzw. 5% des Verkaufspreises verlangt. Und täglich grüßt die Wohnungssuche ... ... heißt es ab Dienstag wieder für mich, wenn ich zum fünften Mal in der Stadt der Liebe eine Bleibe suche. Schon vom kleinen, hessischen Marburg aus habe ich online die Annoncen gesichtet - und frage mich, unter welcher der zahlreichen Pariser Brücken es wohl am gemütlichsten ist ... "Mais - vous êtes française?" trieft der Honig durchs Telefon. "Nein", antworte ich, "ich bin Deutsche." Martin heißt der Mann, den ich wegen seines Zimmerangebots angerufen habe. Nur 200 Euro soll das gute Stück pro Monat kosten - ein echtes Schnäppchen für Paris. "Wo ist der Haken?" ist da eine natürliche Frage. Ich stelle sie nicht direkt - und bekomme trotzdem eine Antwort, als kurz nach unserem Telefonat mein Telefon klingelt, es ist Martin. "Könntest Du mir nicht ein klitzekleines Photo von Dir schicken?" fragt er mit zuckersüßer Stimme. "Ich habe hier keins", antworte ich - ich säße nicht an meinem PC, sondern an dem meines Vaters (was stimmt). Der Mann am anderen Ende der Leitung beißt sich fest: Schließlich wäre ja auch ein Photo von ihm online, da wäre es nur fair, wenn ich ihm eins von mir schicke. Ich sage "ist gut", lege auf, denke "der wird's nicht" und suche die nächste Wohnungsanzeige.
Anschauen kann ich mir das Ganze ja mal, sage ich mir, ignoriere mein Bauchgefühl und mache einen Besichtigungstermin aus. Anzeige Nummer vier. Lustig hört sie sich an, nur 250 Euro soll ein Zimmer kosten im zwölften Arrondissement, also relativ zentral. Einem 26-Jährigen, der seine Mailbox besingt statt bespricht, hinterlasse ich eine Nachricht. Einige Minuten später ruft Nicolas zurück. Ja, das Zimmer sei noch frei. Und ja, 250 Euro koste es. Und nein, es sei kein Problem, wenn ich erst Mittwoch vorbeikäme - er könne mich sogar vom Bahnhof abholen! Ich bin euphorisch. Sooo nett klingt der junge Mann und sooo nett hört sich auch die Anzeige an: "Offen, fröhlich, unkompliziert" steht da. Adjektive, die auch mit meinem Eindruck von Nicolas am Telefon übereinstimmen. Ich soll heute Abend nochmal anrufen, meint er. Gerade wäre er bei der Arbeit. Halb sieben Uhr abends, ich rufe an. "Öh", tönt es da durchs Telefon. "Kann ich gleich zurückrufen?", fragt Nicolas. Kein Problem, sage ich, und warte. Und warte. Und warte. Irgendwann gehe ich weg, habe eine Verabredung. "Ach", verscheuche ich meine Zweifel, "der hatte bestimmt einfach keine Zeit - ich rufe morgen wieder an." Mittags lasse ich es klingeln, die Mailbox geht dran. Ich rufe nochmal an. Und nochmal. Schließlich höre ich ein ungehaltenes "Oui, âllo?". "Hi", sage ich fröhlich, "hier ist Lisa." Und warte auf die Entschuldigung dafür, dass er nicht zurückgerufen hat. Anstatt dessen brummt er durchs Telefon: "Kannst Du Dir nicht denken, dass das Zimmer weg ist, wenn ich nicht zurückrufe ... " Ich bin verdattert. Kann nichts mehr sagen außer einem "Ja, sorry", lege auf. "Ich sollte den Schlafsack nicht vergessen", denke ich mir. Und mache hektisch im Geiste eine Liste der Leute, die ich in Paris kenne - mit Appartment. Camping in Paris ... ... ist, was ich seit einer Woche mache - und besetze nacheinander die Wohnzimmer diverser Freunde. Erholsam ist das zwar nicht, wenn frühmorgens Menschen durch das Zimmer tapern. Den Seine-Brücken ist es jedoch vorzuziehen und den Appartments, die ich bisher gesehen habe, auch. Ein Beispiel. Gut hört sich die Annonce an: 300 Euro, Nähe Porte d'Italie, Waschmaschine, Internet etc. Nach zehn Minuten Fußmarsch von der Metro-Station erreiche ich das Gebäude am Boulevard Kellermann, roter Klinkerstein. Wie verabredet wähle ich Alex' Nummer: "Allô?" meldet sich eine Stimme hinter mir im Hof. Ich drehe mich um, lege auf. Ein Endzwanziger mit blauem Auge (nein, kein natürliches Blau - ein Feilchen) grinst mich an. "Ca va?" frage ich. "Oui", antwortet er und fügt hinzu: "Je vais juste aller pisser et j'arrive ... " (Ich geh nur eben pissen und bin gleich da ... ) Ich bleibe zurück, mit offenem Mund, frage mich, ob der junge Mann keine Toilette hat in seiner Wohnung. Immer noch grinsend taucht er ein paar Augenblicke später hinter der nächsten Ecke wieder auf, läuft an mir vorbei in Richtung Haustür. Ich folge ihm die Treppe hinauf, höre schweigend seinen Erklärungen zu - das Zimmer sei frei, weil die Mutter seiner Tochter diese abgeholt hätte vor einiger Zeit. Alex öffnet die Wohnungstür, ich folge ihm hinein. Je ne le sens pas oder Je n'ai pas le bon feeling würden die Franzosen in meiner Situation sagen - mein Bauchgefühl ist einfach nicht das Richtige, und verzweifelt suche ich nach etwas Konkretem, warum ich das Zimmer nicht nehmen kann. Letzteres ist nicht wirklich gestrichen, auf dem Boden liegt eine alte Matratze, an der Wand steht ein klappriger Schrank. In der Wohnung riecht es seltsam, leicht süsslich. Der (vermeintliche) Grund dafür und meine Ausrede für die Absage kommt kurze Zeit später den Flur entlang: eine schwarz-weiße Katze. "Ist das Deine?" frage ich den immer noch strahlenden jungen Mann gegenüber von mir. Er nickt. "Eh ben, désolée, je fais une allergie aux chats ... " Es stimmt. Ich bin allergisch gegen Katzen. Und kurze Zeit später stehe ich wieder auf der Strasse. Camping bei Freunden ist vielleicht doch nicht so schlecht, denke ich. … mache ich gerade - durch all die Wohnungsbesichtigungen, die mich in die verschiedenen Viertel der Hauptstadt führen. Interessant ist das, meistens. Manchmal aber auch leicht beängstigend. Ein Beispiel. Über die Dächer von Paris ... ... kann ich von meiner neuen Wohnung aus gucken - habe also der nicht enden wollenden Wohnungssuche ein überraschendes Ende gesetzt. Das Ergebnis: ein geräumiges Loft mit Dachterrasse und Minibar, direkt bei den Champs-Elysées. "Es gibt nur eine Bedingung." Die zierliche Mittsiebzigerin guckt mich mit wachsamem Blick an. "Sie dürfen keinen Besuch empfangen", sagt sie und fügt hinzu: "Aus Gründen der Sicherheit." Ich zucke leicht zusammen, denke: Oh, Nein! Und dabei hatte ich doch all meine Hoffnung in diese Wo 1. Unsere eigene Dachterrasse: Meine Mitbewohnerin und ich dürfen sie sogar benutzen sollte unsere Vermieterin einmal nicht da sein. 2. Der ausladende Kühlschrank wir nennen ihn auch liebevoll "Minibar" oder "Kühlbox". Hinter dem hochmodernen Design verbirgt sich die durchgestylte Mini-Bar (hier in Relation zu einer Kola-Flasche, gehalten von meiner Mitwohni) und ein extra angepasstes Gewürzfach. 3. Die geschmackvolle Wanddekoration. 4. Der multifunktionale Miniflur, der zugleich als Flur und Küche dient. Aber aufgepasst: Das Kochen auf Kochplatten ist verboten. Zitat unsere Vermieterin: "Da könnte ja Wasser aufsteigen, dann wird die Wohnung nass." [multifunktionsflur] 5. Die Verzögerung bis das Internet installiert ist: Vier Wochen wartet meine Mitwohni Kerstin (aus dem hohen Norden Deutschlands) schon darauf, dass das freundliche und unfassbar kompetente Personal des neuen (aus zwei Firmen fusionierten) Internetanbieters SFR-Neuf uns eine Verbindung zum Rest der Welt herstellt. Auf Kerstins Nachfrage vor drei Tagen zögerten die Knüller-Angestellten des Unternehmens auch nicht, ihr sofort mitzuteilen, dass Kerstins Antrag "leider" nicht weitergegeben worden war. Voraussichtliche weitere Verzögerung: 21 Tage. Für uns, in unserer unermüdlichen Suche nach dem Nirvana, ist das natürlich nichts als eine willkommene Übung der Geduld. Achja: Auf meine Frage hin, wie ich denn Besuch aus Deutschland empfangen soll, meinte meine Vermieterin nur: "Am besten ist, sie sagen keinem, dass sie in Paris sind." Also pssst, geheeeeim! Alle Artikel von Lisa Louis... |
Zimmer in Paris zu vermieten ab 1. Juni 2011 |
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