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Wohnen in Paris Teil 3

Von Lisa Louis

Eine kleine Reise durch Paris …

… mache ich gerade - durch all die Wohnungsbesichtigungen, die mich in die verschiedenen Viertel der Hauptstadt führen. Interessant ist das, meistens. Manchmal aber auch leicht beängstigend. Ein Beispiel. "Es geht mir nicht ums Geld." Der 45-jährige General schaut mir in die Augen, hält meinen fragenden Blick. "Nein, ich hab nur keine Lust, abends immer alleine zu essen, vorm Fernsehen. Es ist doch viel netter, sich dabei mit jemandem zu unterhalten." Er schweigt. Noch immer blickt er mir in die Augen, ich schaue weg. Ein leichtes Unbehagen befällt mich - sucht er wirklich nur eine Mitbewohnerin? Dennoch: 350 Euro für ein Zimmer in einem großen Apartment in der Nähe des Eiffelturms, das ist ein echtes Schnäppchen. Außerdem ist die Wohnung sauber, mit Allem ausgestattet, ruhig. Mein Blick fällt auf die Photos an der Pinnwand im Wohnzimmer. "Das sind meine Kinder und meine Frau", sagt der Wohnungsbieter gegenüber von mir. Puuh, denke ich erleichtert, er sucht doch nur eine Mitbewohnerin und frage: "Achso – und was machen die so." Er beantwortet meine Frage (die Kinder studieren, seine Gattin ist Hausfrau), dann fährt er fort: "Meine Frau ist dagegen, dass ich mir eine Mitbewohnerin suche." Wieder ein langer Blick. "Und warum?" frage ich, das Unbehagen schleicht sich durch die Hintertür wieder ein. Und seine Reaktion vertreibt es nicht: "Ich weiß auch nicht, einfach so." Er schaut auf den Boden, zuckt mit den Schultern, dann suchen seine Augen wieder meinen Blick. Plötzlich klingelt sein Telefon: "Ah, c'est la dame." Er telefoniert mit seiner Frau, fünf Minuten. Dann meint er: "Hmm, kann ich Dich gleich zurückrufen – ich muss grad noch etwas erledigen." Was er erledigen muss, sagt er nicht. Dann setzt er sich hin, breitbeinig, nimmt seine Brille ab, schaut mich an, lächelt. "Bist Du denn interessiert?" fragt der Military Lover vor mir – und ich bin mir nicht sicher, ob er das Apartment meint. "Hmm…", sage ich. "Ich weiß nicht genau, ich hab noch ein paar andere Besichtigungen, heute und morgen." Und ich füge hinzu: "Öh, ich glaub, ich muss jetzt gehen. Ich bin zum Abendessen eingeladen, zu spät kommen möchte ich da ungern." Es stimmt. Ich muss gehen. Zum Abschied meint der General: "Ich entscheide mich Montag – sag mir Bescheid, ob Du das Zimmer haben willst oder nicht." Wieder ein langer Blick. Ich nicke nur, sage: "Schönen Abend noch." Und hüpfe zur Haustür hinaus. Erleichtert.

Über die Dächer von Paris

Dächer von Paris

... kann ich von meiner neuen Wohnung aus gucken - habe also der nicht enden wollenden Wohnungssuche ein überraschendes Ende gesetzt. Das Ergebnis: ein geräumiges Loft mit Dachterrasse und Minibar, direkt bei den Champs-Elysées. "Es gibt nur eine Bedingung." Die zierliche Mittsiebzigerin guckt mich mit wachsamem Blick an. "Sie dürfen keinen Besuch empfangen", sagt sie – und fügt hinzu: "Aus Gründen der Sicherheit." Ich zucke leicht zusammen, denke: Oh, Nein! Und dabei hatte ich doch all meine Hoffnung in diese Wohnung gesetzt, als ich die Anzeige sah. Hin- und hergerissen verlasse ich das Haus, verabrede mit der Vermieterin, ihr in einer halben Stunde Bescheid zu geben. Und – entscheide mich dafür, das Zimmer zu nehmen. Anderthalb Wochen sind inzwischen vergangen - eine Zeit, in der ich die Vorzüge dieser Wohnung zu schätzen gelernt habe: [Dachterrasse] 1. Unsere eigene Dachterrasse: Meine Mitbewohnerin und ich dürfen sie sogar benutzen – sollte unsere Vermieterin einmal nicht da sein. 2. Der ausladende Kühlschrank – wir nennen ihn auch liebevoll "Minibar" oder "Kühlbox". Hinter dem hochmodernen Design verbirgt sich die durchgestylte Mini-Bar (hier in Relation zu einer Kola-Flasche, gehalten von meiner Mitwohni) und ein extra angepasstes Gewürzfach. 3. Die geschmackvolle Wanddekoration. 4. Der multifunktionale Miniflur, der zugleich als Flur und Küche dient. Aber aufgepasst: Das Kochen auf Kochplatten ist verboten. Zitat unsere Vermieterin: "Da könnte ja Wasser aufsteigen, dann wird die Wohnung nass." [multifunktionsflur] 5. Die Verzögerung bis das Internet installiert ist: Vier Wochen wartet meine Mitwohni Kerstin (aus dem hohen Norden Deutschlands) schon darauf, dass das freundliche und unfassbar kompetente Personal des neuen (aus zwei Firmen fusionierten) Internetanbieters SFR-Neuf uns eine Verbindung zum Rest der Welt herstellt. Auf Kerstins Nachfrage vor drei Tagen zögerten die Knüller-Angestellten des Unternehmens auch nicht, ihr sofort mitzuteilen, dass Kerstins Antrag "leider" nicht weitergegeben worden war. Voraussichtliche weitere Verzögerung: 21 Tage. Für uns, in unserer unermüdlichen Suche nach dem Nirvana, ist das natürlich nichts als eine willkommene Übung der Geduld. Achja: Auf meine Frage hin, wie ich denn Besuch aus Deutschland empfangen soll, meinte meine Vermieterin nur: "Am besten ist, sie sagen keinem, dass sie in Paris sind." Also – pssst, geheeeeim! Alle Artikel von Lisa Louis... ...die derzeit eine zweijährige Journalisten-Ausbildung am Centre de Formation des Journalistes (CFJ) in Paris macht und weitere Artikel auf ihrer Webseite schreibt: www.weissercappuccino.de



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